ALM aktuell 10/2022

Fünf Jahre E-Health-Agenda – Wo stehen wir heute und was haben wir erreicht?

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Mit seiner E-Health-Agenda 2017 hat sich der ALM e.V. als einer der ersten fachärztlichen Berufsverbände mit dem zentralen Thema der Digitalisierung und ihrer Bedeutung für die Qualität und Sicherheit der Patientenversorgung befasst.

Dr. Michael Müller | Dr. Christian Scholz

In dieser Zeit wurde von den Mitgliedslaboren im ALM e.V. auch die Arbeitsgruppe IT gebildet, in der sich seitdem die Spezialistinnen und Spezialisten aus den Laboren zu regelmäßigen Beratungen zusammenfinden. Im Rahmen einer eigens der Digitalisierung gewidmeten Fokusveranstaltung im November 2017 wurde das Thema aus wirtschaftlicher, IT-technischer und auch politischer Sicht beleuchtet.

Schon seit über zwanzig Jahren ist die Digitalisierung fest im Berufsalltag der Labormedizin verankert, beginnend mit der anstelle von Papierlisten digital unterstützten Probenbearbeitung und den ersten per Datenfernübertragung (DFÜ) übermittelten Befunden. Dieser Weg wurde konsequent fortgesetzt, sodass die Labormedizin heute an vielen Stellen eine Vorreiterrolle in der Digitalisierung im Gesundheitswesen einnimmt und sich als wichtiger Ansprechpartner für die beteiligten Akteure etabliert hat.

Die Mitglieder der Arbeitsgruppe IT wiederum sind sehr aktiv in denjenigen Gremien, die von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und auch der gematik GmbH zur konkreten Umsetzung verschiedener Fragestellungen gebildet werden.

Heute können wir festhalten, dass in den zurückliegenden fünf Jahren seit Etablierung der E-Health-Agenda des ALM e.V. wichtige Meilensteine erreicht wurden, an denen die Expert*innen aus den fachärztlichen Laboren maßgeblich mitgearbeitet und -gestaltet haben. Insbesondere bei Fragen der Standardisierung und Strukturierung von Labordaten zur Verbesserung der Interoperabilität bringen sich die Kolleginnen und Kollegen der Mitgliedslabore aktiv ein.

Die Kommunikation und der Datenaustausch mit den verschiedensten ambulant und stationär eingesetzten Informationssystemen sind in der Laboratoriumsmedizin inzwischen Alltag. So kommt es, dass die Inhalte und Strukturen der Medizinischen Informationsobjekte (MIO), die federführend von der KBV erarbeitet werden, auf dem aktuellen Stand von Wissen und Erfahrung aus dem Labor basieren (vgl. Beitrag „Zukunft MIO — der Weg des Laborbefunds in die ePA“).

Die SARS-CoV-2-Pandemie hat die Digitalisierung des Meldewesens erheblich vorangetrieben. Auch hier unterstützte die AG IT das Robert Koch-Institut (RKI) und die gematik GmbH maßgeblich mit vielen Vorschlägen zu Inhalten, Technik und Struktur. So können die Meldungen von den fachärztlichen Laboren auf elektronischem Weg übermittelt und die gesetzlichen Vorgaben nach dem Infektionsschutzgesetz erfüllt werden.

Ohne den in den Laboren binnen kürzester Zeit auf DEMIS umgestellten Meldeweg wäre die Verarbeitung von bis zu 400.000 Meldebefunden am Tag in den Gesundheitsämtern nicht möglich gewesen. Die im Zuge dessen von allen Beteiligten gemachten Erfahrungen mit DEMIS wiederum sind Voraussetzung für die Ausweitung der Anwendung auf weitere meldepflichtige Erkrankungen und die Einbindung weiterer Arztgruppen, Versorgungsträger und Inhalte. 

Aufgrund des hohen Grades an Digitalisierung in unserem Fachgebiet und der Bedeutung fachärztlicher Labordiagnostik für die Versorgung der Bevölkerung wurde seit 2018 eine größere Zahl von Laboren vom BSI als ‚Kritische Infrastruktur‘ (KRITIS) eingestuft. Grundlage hierfür bildet die Anzahl an Patientenbefunden pro Kalenderjahr. Ab 1,5 Millionen Befunden gilt ein Labor als Kritische Infrastruktur im Sinne des BSI-Gesetzes (vgl. Beitrag „Wenn die IT nicht läuft, dann steht das Labor still”).

Die betroffenen Labore müssen Maßnahmen zur Sicherheit und Verfügbarkeit der Diagnostik in regelmäßigen Audits nachweisen. Dem ALM e.V. ist es zu verdanken, dass es zur konkreten Umsetzung der Vorgaben des BSI-Gesetzes sowie der zugehörigen BSI-Kritisverordnung überhaupt einen fachlichen Standard für Laboratorien gibt. Dafür hat der ALM e.V. den ‚B3S Labor‘ entwickelt. Dieser Standard muss mit der technischen Entwicklung Schritt halten und wird permanent angepasst. Aktuell befindet sich der B3S Labor in Überarbeitung und die zweite Version ist in der finalen Abstimmung mit dem BSI.

Im Zusammenhang mit der Entwicklung des B3S Labor wurde der ALM e.V. vom BSI mit einer ‚Studie zur kritischen Dienstleistung Laboratoriumsdiagnostik‘ beauftragt, die in Zusammenarbeit mit WCG Consulting (Uli Früh) und Goldmedia GmbH Strategy Consulting erstellt wurde. Die ALM-Mitgliedslabore haben mit dieser Studie einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, dass die Arbeit und die Prozesse in den fachärztlichen Laboratorien besser verstanden werden.

So blickt der Verband der Akkreditierten Labore in der Medizin auf einen Zeitraum von fünf Jahren zurück, in dem eine Reihe wichtiger Aspekte zur erfolgreichen Digitalisierung des Gesundheitswesens bei höchstmöglicher IT-Sicherheit auf den Weg gebracht und bearbeitet wurde. Die gemeinsame Arbeit der Mitgliedslabore an diesen Themen hat bewirkt, dass uns seitens der Verantwortlichen und Entscheider*innen in diesen Fragestellungen ein hohes Maß an Vertrauen entgegengebracht und die fachliche Kompetenz sehr geschätzt wird. Dies gilt es nun in der weiteren Diskussion und Umsetzung noch vieler offener Fragen fortzusetzen. So leistet der ALM e.V. einen wichtigen Beitrag zur bedarfs- und versorgungsgerechten Digitalisierung des Gesundheitswesens in Deutschland.

Dr. med. Michael Müller, 1. Vorstandsvorsitzender ALM e.V.
Dr. Michael Müller 1. Vorstandsvorsitzender
Dr. Michael Müller ist niedergelassener Facharzt für Laboratoriumsmedizin und 1. Vorsitzender des ALM e.V.
Dr. Christian Scholz
Dr. Christian Scholz Mitglied im Vorstand des ALM e.V.
Dr. Christian Scholz ist Facharzt für Laboratoriumsmedizin, Mitglied im Vorstand und Sprecher der AG IT des ALM e.V.
Dr. med. Michael Müller, 1. Vorstandsvorsitzender ALM e.V.
Dr. Michael Müller 1. Vorstandsvorsitzender
Dr. Michael Müller ist niedergelassener Facharzt für Laboratoriumsmedizin und 1. Vorsitzender des ALM e.V.
Dr. Christian Scholz
Dr. Christian Scholz Mitglied im Vorstand
Dr. Christian Scholz ist Facharzt für Laboratoriumsmedizin, Mitglied im Vorstand und Sprecher der AG IT des ALM e.V.
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