Datenauswertung des ALM e.V. mit den Zahlen zur SARS-CoV-2-Testung der Labore in der KW 33

Deutlich intensivierte Testung unterstützt Strategie von Bund und Ländern, aber strapaziert Kapazitäten erheblich

Die Ausweitung des SARS-CoV-2-PCR-Testangebotes für Reiserückkehrer und die Einführung der Testpflicht für Einreisen aus Risikogebieten intensivieren die Belastung der Labore, die SARS-CoV-2-PCR-Tests anbieten, mitten in der „Sommerpause“ beträchtlich: Sowohl die Zahl der PCR-Tests als auch die Zahl der positiven Befunde stiegen in der vergangenen Kalenderwoche (KW 33) wieder deutlich an. Die Auslastung der Labore liegt nunmehr bei rund 75 Prozent. Das geht aus der wöchentlichen Datenanalyse der Akkreditierten Labore in der Medizin – ALM e.V. hervor, an der bundesweit 151 Labore teilgenommen haben, davon etwa ein Drittel außerhalb des Verbands.

Mit 754.513 PCR-Tests und einer Steigerung von 15 Prozent im Vergleich zur Vorwoche erreichte die Zahl der in den fachärztlichen Laboren durchgeführten Tests einen neuen Höchststand. Erneut gestiegen ist auch die Zahl der positiven Befunde – und zwar auf 7.395 (+11 Prozent) bei einer Positivrate von 1,0 Prozent (identisch zur Vorwoche). Die Testkapazität für die laufende Woche liegt mit plus 3 Prozent und damit wöchentlich maximal 1.040.400 PCR-Tests weiterhin auf sehr hohem Niveau.

Den stetigen Anstieg der Testungen sehen die Mitglieder des ALM e.V. in Anbetracht der bereits hohen Auslastung der Labore weiterhin kritisch: „Dass die Politiker in Bund und Ländern möglichst breit Tests für alle Bürgerinnen und Bürger des Landes ermöglichen wollen, ist nachvollziehbar und sinnvoll, sofern sie sich dabei an der nationalen Teststrategie ‚Testen, testen, testen… aber gezielt‘ orientieren“, stellt Dr. Michael Müller, 1. Vorsitzender des ALM e.V., fest. „Gerade der breite und gezielte Einsatz der PCR-Tests hat bisher maßgeblich zur Eindämmung der Pandemie in Deutschland beigetragen. Bevor man jedoch – wie in Bayern – eine massive Ausweitung des Testangebotes für alle Bürgerinnen und Bürger verkündet, wäre es zu begrüßen gewesen, über den Nutzen eines solchen Angebots für die Bekämpfung von SARS-CoV-2 zu beraten. Wir bekommen doch nicht mehr Sicherheit allein dadurch, dass sich alle testen lassen können, wie sie wollen.“

Der ALM e.V. ruft erneut dazu auf, medizinische Diagnostik nur dann einzusetzen, wenn daraus auch Handlungen und ein Nutzen abgeleitet werden können. Ob die Strategie der anlasslosen COVID-19-Diagnostik erfolgreich sein kann, das ließe sich in Bayern nun beobachten und sollte auch einmal evaluiert werden. Nach wie vor von größter Bedeutung sei das rasche Testen von Personen auch mit nur leichten Symptomen, bei Risikokontakten, bei Besorgnis nach unklaren Kontakten, zum Schutz vulnerabler Gruppen und in systemkritischen Berufen nach den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts im Zusammenhang mit der nationalen Teststrategie. Auch sollten wir alle in der Gesellschaft weiterhin darauf setzen, konsequent und überall die AHA-Regel (Abstand-Hygiene-Alltagsmaske) umzusetzen und gegebenenfalls einzufordern, betont Prof. Jan Kramer, Vorstand im ALM e.V.: „Denn Prävention ist immer noch die beste Medizin.“

Erneut weisen die Mitglieder des ALM darauf hin, dass eine unkritische Ausweitung der PCR-Testungen die fachärztlichen Labore ungewollt in Bedrängnis bringen könne. Laut Prof. Kramer gelangten mehr und mehr Labore an ihre Kapazitätsgrenzen: „Die Kapazität hängt von wichtigen, nicht immer beeinflussbaren Faktoren ab, wie der Verfügbarkeit von PCR-Reagenzien und Verbrauchsmaterialien, der dauerhaften Funktionsfähigkeit der eingesetzten Geräte und insbesondere auch von unserem Fachpersonal. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben schon während der Hochphase im Frühjahr großartige Arbeit geleistet. Aber weder Maschinen und erst Recht nicht Menschen können über lange Zeit sieben Tage die Woche 24 Stunden durchackern. Da läuft der beste Motor heiß!“

Um bundesweit ausreichend Reserven für anlassbezogene Testungen wie in Ausbruchsituationen zur Verfügung zu haben, sollten die Kapazitäten nur zwischen 65 bis 80 Prozent belastet werden. Engpässe könnten daher bereits bei der aktuellen Auslastung von 75 Prozent entstehen, wenn zusätzlich zu den Testungen der Reiserückkehrer noch regionale Ausbrüche, deren rasche Bearbeitung ja vorrangig erfolgen solle, zu verzeichnen wären. „Wir konnten diese Spitzen regional bisher gut abdecken. Ich wage nicht daran zu denken, was passiert, wenn wir bei dauerhaft zu hoher Auslastung keine Reserven mehr für weitere Hotspots haben“, so der Internist und Facharzt für Laboratoriumsmedizin.

Kopfschmerzen bereitet den Mitgliedern des ALM e.V. auch die noch immer andauernde Diskussion mit dem GKV-Spitzenverband, was die Kostenerstattung der SARS-CoV-2-PCR-Tests angeht. „Es ist schon erstaunlich, wie hier in einer Pandemiesituation vorgegangen wird, in der primär Solidarität und das gemeinsame Bemühen um eine wirksame Strategie gegen die ungehinderte Ausbreitung des neuen Coronavirus im Vordergrund stehen sollten“, stellt Dr. Michael Müller fest. Einerseits würde verkündet, die Leistungsausgaben der GKV seien seit Beginn der Pandemie gesunken und die Kassen würden durch die Absenkung der Mehrwertsteuer hunderte Millionen Euro an Arzneimittelausgaben sparen. „Andererseits versucht man, den Laboren grundlos die für die Aufrechterhaltung der Leistungsfähigkeit notwendigen Mittel zu entziehen.“ Konkrete Berechnungen der Labore würden weitestgehend ignoriert, Argumentationen einfach nicht ernst genommen. Müller weiter: „Ich habe den Eindruck, dass uns der GKV-SV hier zum politischen Spielball macht.“

Der 1. Vorsitzender stellt klar: „Wer nur darauf aus ist, in jedem Fall am Labor zu sparen, der verkennt die Realität der für die Pandemieeindämmung wesentlichen Erfolgsfaktoren, zu denen zweifelsohne eine effiziente, flächendeckende und zeitnahe Labordiagnostik gehört. Wer an der Schraube Labor nur um des Kostensparens willen dreht, der sollte die damit verbundenen Risiken für die Versorgung bedenken.“

Ein Hinweis in eigener Sache: Um insbesondere Landrät*innen und Bürgermeister*innen sowie Entscheider*innen für die labordiagnostische Versorgung vor Ort einen besseren Überblick zu geben, haben wir die Informationsseite „Corona Diagnostik Insights“ mit Laborfinder sowie Zahlen, Daten und Fakten zur Covid-19-Labordiagnostik eingerichtet. Diese erreichen Sie unter

www.corona-diagnostik-insights.de

Darüber hinaus finden Sie hier einen umfassenden Katalog an Fragen und Antworten zum Thema. Diesen aktualisieren wir regelmäßig. Bei weiteren Fragen freuen wir uns über Ihre schriftliche Anfrage an c.wanke@alm-ev.de.

Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass die hier ermittelten Daten mit weiteren Daten am RKI zusammengeführt werden. Die daraus entstehenden Daten stellen das Gesamtbild über das Testgeschehen in Deutschland dar. Eine anderweitige Nutzung der Daten darf nur mit Hinweis auf die Erhebung des ALM e.V. als Quelle erfolgen!

Weitere Infos zum SARS-CoV-2 Virus und zu Covid-19 und zur aktuellen Lage finden Sie unter www.rki.dewww.bmg.bund.dewww.kbv.de

Über die Akkreditierten Labore in der Medizin – ALM e.V.

ALM e.V. ist der Berufsverband der Akkreditierten Medizinischen Labore in Deutschland. Der Verband vertritt derzeit über 200 medizinische Labore mit 900 Fachärzt*innen, rund 500 Naturwissenschaftler*innen und etwa 25.000 qualifizierten Mitarbeiter*innen. Der Zweck des Vereins ist die Förderung und Sicherstellung einer qualitativ hochwertigen labormedizinischen Patientenversorgung in Deutschland.

Die Mitglieder des Verbandes sichern eine flächendeckende Patientenversorgung, auch in strukturschwachen Gebieten. Die Mitgliedslabore sind nach der höchsten Qualitätsnorm für medizinische Laboratorien (DIN ISO EN 15189) akkreditiert und erfüllen uneingeschränkt die Richtlinie der Bundesärztekammer zur Qualitätssicherung labormedizinischer Untersuchungen (RiliBÄK).

Die Aus- und Weiterbildung des ärztlichen und technischen Personals ist ein wesentlicher Aspekt ihrer täglichen Arbeit, um langfristig die zuverlässige Versorgung von Millionen von Patienten sicherstellen zu können. Der Verein strebt eine kollegiale Zusammenarbeit mit der gemeinsamen Selbstverwaltung, den medizinischen Fachgesellschaften, Berufsverbänden und Vereinen an, um gemeinschaftlich die Zukunft der Labore in der medizinischen Diagnostik in Deutschland zu gestalten.

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Akkreditierte Labore in der Medizin – ALM e.V.
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Wir fordern eine Verbesserung der Qualität in Testzentren🧪:

Mit dem COVID-19-Schutzgesetz ist dem Bundesminister für Gesundheit kein großer Wurf gelungen. Die Regelungen verhindern nicht den Missbrauchs in den Testzentren, sondern regeln lediglich die anschließende Kontrolle.

Den leichten Wiederanstieg der #Corona-Wellen belegen auch die heute vorgestellten Zahlen des Laborverbandes @ALMevTeam. Demnach ist in den letzten 14 Tagen sowohl die Zahl der PCR-Tests insgesamt also auch der Anteil der positiven Testergebnisse wieder gestiegen. (10/x)

#Corona-Testzahlen der KW37:

👉🏼 491.712 durchgeführte PCR-Tests (KW36: 466.209)
👉🏼 davon waren 173.991 positiv (KW36: 155.960)
👉🏼 Positivrate liegt bei 35,4% (KW36: 33,5%)

Fun fact: Rund 350.000 Kilometer legen wir jeden Tag für Labordiagnostik 🚚🧪zurück.

👉Denn mehr als 3/4 der Diagnosen werden auf Grundlage eines Laborergebnisses gestellt. Diese müssen von Praxen, Krankenhäusern und Ambulanzen zügig in unsere Labore gebracht werden.

Wie sieht die Diagnostik im Jahr 2030 aus? 🧪🤖
Darüber sprechen wir auf unserer Fokusveranstaltung am 21.11.

Robotik, Machine Learning, Interoperabilität, Big Data und Künstliche Intelligenz sind hier einige Buzzwords, die wir dort aufgreifen werden.

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Fokusveranstaltung des ALM e.V. 2022

Zukunft Labordiagnostik – Die Fokusveranstaltung des ALM e.V. 2022 DIAGNOSTIK 2030: Digital, innovativ, leistungsfähig — Gute Medizin nur mit...

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In der aktuellen Ausgabe der @RedaktionMK beschreiben unsere Vorstände Nina Beikert und Dr. Michael Müller ihre "Lessons learned" der SARS-CoV-2-Pandemie.

Der Artikel ist hier einsehbar (Seite 32):
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Knapp 1,8 Mio
offene Stellen im Gesundheitswesen können in 2035 voraussichtlich nicht mehr besetzt werden

Hier geht es zur Studie:

https://www.pwc.de/de/gesundheitswesen-und-pharma/fachkraeftemangel-im-deutschen-gesundheitswesen-2022.html

Laut einer Studie zum Fachkräftemangel können im Jahr 2035 in 🇩🇪voraussichtlich 1,8 Millionen offene Stellen im Gesundheitswesen nicht mehr besetzt werden. Davon ist auch die Labormedizin betroffen.

In unserem Papier zeigen wir mögliche Lösungen auf:
https://www.alm-ev.de/aktivitaeten/arbeitsgruppen/ag-mta/

Für ein weiteres Auslaufen der #Sommerwelle sprechen auch die Test-Zahlen, die der Laborverband @ALMevTeam heute veröffentlicht hat. Wichtig ist hierbei vor allem, dass der Anteil der positiven Tests von 40,1% vor 2 Wochen auf nun 34,1% gesunken ist. (8/x)

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