„Der Unterschied könnte größer kaum sein!“

Der ganz normale Alltag und das Leben als Patient: In welchem Maße die Digitalisierung in diesen Lebensbereichen Einzug gehalten hat und welche Herausforderungen sich für das Gesundheitswesen ergeben, erklärte Dr. Florian Fuhrmann, Geschäftsführer der KV Telematik

Dr.  Florian Fuhrmann, Geschäftsführer der KV Telematik & Vorstand Verband digitale Gesundheit e.V.

Für Dr. Florian Fuhrmann, Geschäftsführer der KV Telematik, läuft ein fast normaler Arbeitstag so ab:

„Der Handy-Wecker klingelt. Flug-Check-In per App, Taxi bestellen per App. Unterwegs E-Mails lesen. Beim Boarding das QR-Code-Ticket vorzeigen. Am Zielort dann die Navigations-App auf dem Smartphone nutzen. 11.03  Uhr: Chat-Nachricht ‚Stau, ich verspäte mich!‘ versenden. Das Meeting ist langweilig. Ich prüfe übers Smartphone, was in unseren Logfiles los ist. 13.35  Uhr: Meine Frau schickt Fotos vom Spielplatz, zuhause ist alles in Ordnung. 15.05  Uhr: Das Meeting ist zu Ende. Die Ergebnisse werden per Smartphone abfotografiert, an die Kollegen geschickt und auf den KVTG-Server hochgeladen. Zurück am Flughafen vertreibe ich mir die Zeit mit einer Runde Quizduell auf dem Smartphone. Dann die Meldung: ‚Hochzeitstag nicht vergessen.‘ Um 23.45 Uhr warnt mich die App: ‚Jetzt schlafen gehen, um genügend Schlaf zu bekommen.‘ Wie häufig nutzen wir im Schnitt am Tag das Smartphone? 214  Mal, 22  Stunden pro Woche – fast einen ganzen Tag“, sagt er.

„Wie aber sieht ein fast normaler Arztbesuch aus?“, fragt Fuhrmann: „Überweisung des Hausarztes auf Papier. Ich telefoniere mit der Praxis oder der Terminservicestelle wegen eines Termins. Am Tag vorher suche ich meine relevanten Gesundheitsdaten zusammen – im Normalfall auf Papier. Dann, am Empfang beim Arzt, passiert etwas wirklich Digitales: Meine elektronische Gesundheitskarte wird eingelesen. Dann geht es wieder analog weiter: Die Behandlung beim Arzt. Der Überweisungsträger, der Medikationsplan, die Krankschreibung – alles auf Papier. Muster 16 Arzneimittelverordnung – ebenfalls in Papierform.“ Der Unterschied zwischen dem Leben als Verbraucher und dem Leben als Patient? Das Fazit von Florian Fuhrmann fällt ernüchternd aus: Er könnte größer kaum sein!

 

„Ganz neue Sektoren entstehen: Dr. Google, Health-Apps, Wearables –
wenn wir da nicht Möglichkeiten zum Andocken liefern,
dann wird die Entwicklung ohne uns stattfinden.“

 

Wo wird das hinführen? Der Chef der KV Telematik skizziert: „Ganz neue Sektoren entstehen: Dr. Google, Health-Apps, Wearables – wenn wir da nicht Möglichkeiten zum Andocken liefern, dann wird die Entwicklung ohne uns stattfinden.“ Wird der digitale Sektor den Arzt ersetzen?„Davor müssen wir keine Angst haben. Aber es wird einen digitalen Gatekeeper geben. Vor dem Arztbesuch kommt die digitale Information. Bevor der Patient zum Arzt geht, wird er sich informieren. Er wird auch Kommentare über den Arzt und das Krankenhaus lesen. Deswegen ist es so wichtig, dass Verbände wie der ALM oder das KV-System sich des Themas annehmen.“

Die Konsequenz: Mit der KV Digital bietet die KV Telematik eine Austauschplattform für Innovatoren, Entscheider, Nutzer und Finanziers von Digital Health. Und Workshops für Start-ups: um ihnen zu erklären, wie das KV-System funktioniert. Im Pitching-Format können sich Start-ups einer Jury stellen. Die Erprobung und Evaluation der Innovationen soll im Rahmen von sogenannten Zukunftspraxen durch die KBV stattfinden. Die KVTG bietet zukünftig aber auch Coachings, in denen KVen und Ärzte sich auf neue Arbeitsweisen in der digitalen Welt vorbereiten können – zum Beispiel agiles Projektmanagement und Social Media.

ALM aktuell 02/2018 in der Druckversion zum Download (800 kB)

 


Dr. Florian Fuhrmann, Geschäftsführer der KV Telematik und Vorstand Verband digitale Gesundheit e.V.

Zur Person:

Dr. Florian Fuhrmann ist Geschäftsführer der KV Telematik und Vorstand des Verbands digitale Gesundheit e.V.