GOÄ und EBM – Reformoptionen aus der Sicht der Labore

GOÄ und EBM –
Reformoptionen aus der Sicht der Labore

Die neue Gebührenordnung muss nicht nur klären, ob herkömmliche Laborleistungen richtig abgebildet sind, sondern auch, wie Innovationen künftig besser abgerechnet werden können.

Dr. Michael Müller, 1. Vorsitzender ALM e.V.

Moderne Gebührenordnungen erfüllen gleichzeitig eine Reihe von Voraussetzungen: Sie bilden idealerweise den allgemein anerkannten Stand des medizinischen Wissens ab und führen diesen mit geeigneten Maßnahmen zeitgerecht zur Berücksichtigung medizinischer Innovation fort. Ferner enthalten sie Regelungen zur Durchführung von Leistungen und den Abrechnungsvoraussetzungen sowie eine angemessene Bewertung aller Leistungen. Das gilt universell für alle medizinischen Fachgebiete.

Etwa 2.000 Fachärztinnen und Fachärzte aus den Gebieten der Labormedizin und Mikrobiologie sorgen sektorenübergreifend auf vielfältige Weise für eine bestmögliche Patientenversorgung mit Labordiagnostik entsprechend dem medizinischen Bedarf. Die flächendeckende und wohnortnahe Versorgung garantiert den Patienten den Zugang zu einer insgesamt hoch angesehenen und fast selbstverständlichen wie umfassenden Verfügbarkeit von Labordiagnostik.

Wie Studienergebnisse zeigen, führt etwa jeder dritte Arzt-Patienten-Kontakt zur Auslösung einer diagnostischen Maßnahme mit Labormedizin. Die Entwicklung neuer und für die Verbesserung der Patientenversorgung wichtiger labordiagnostischer Untersuchungen ist in den vergangenen zwanzig Jahren rasant vorangeschritten. Erinnert sei hier an die Etablierung von direkten Erregernachweisen mittels PCR, ohne deren Verfügbarkeit heute eine effiziente Therapiesteuerung nicht denkbar wäre. Ebenso selbstverständlich sind heute die Parameter für die rasche Einordnung von Beschwerden, die den Verdacht auf Thrombose oder Herzinfarkt abklären helfen.

Die Labormedizin hat sich zu einem „Konditionalfach“ entwickelt. Das bedeutet, dass weitgehend erst mithilfe diagnostischer Leistungen der Labormedizin die Teilhabe des Bürgers an einer angemessenen und umfassenden medizinischen Versorgung und Prävention von Krankheiten ermöglicht wird. Viele Erkrankungen können nur durch die Labordiagnostik erkannt und im Hinblick auf Prognose, Therapieerfolg oder Prävention beurteilt werden. Die Existenz von Labormedizin wird heute als selbstverständlich wahrgenommen.

Deutschland ist im internationalen Vergleich führend, wenn man die flächendeckend verfügbare labordiagnostische Analyse und zeitnahe laborärztliche Befundung innerhalb von Stunden und für mehr als 80 Prozent aller Laboruntersuchungen, meist innerhalb eines Tages, betrachtet. Das ist möglich, weil die fachärztlichen Labore über einen hohen Grad an digitaler Vernetzung sowie eine effiziente flächendeckende Logistik zur Sicherstellung einer guten Versorgung verfügen.

 

Abbildung 1: Anforderungen an die Labordiagnostik
Abbildung 1: Anforderungen an die Labordiagnostik

Bedeutung der fachärztlichen Kompetenz im Labor

Qualität und Sicherheit der Patientenversorgung mit Labordiagnostik hängen auch davon ab, ob die für die medizinische Fragestellung richtige Laboruntersuchung ausgewählt und durchgeführt wird. Jede Laboruntersuchung ist in einem medizinisch-ärztlichen Zusammenhang zu sehen. Die ärztliche Indikationsstellung, also die Entscheidung für die Notwendigkeit einer Laboruntersuchung, bedarf entsprechender Kenntnisse und Ausbildung. Die persönliche wie individuell fallbezogene Beratung durch Laborärzte und Mikrobiologien wird dabei gerne genutzt.

Von der Indikationsstellung zur Laboruntersuchung über die Probengewinnung und deren Vorbereitung für den Transport sowie deren qualitätsgesicherte Analyse im Labor bis hin zur Erstellung des laborärztlichen Befundes und dessen Übermittlung an den behandelnden Arzt stellt sich der Prozess der Laboruntersuchung als hochkomplex dar.

Abbildung 2: Prozess der Laboruntersuchung
Abbildung 2: Prozess der Laboruntersuchung

Sicherstellung der flächendeckenden Patientenversorgung

Eine bestmögliche labordiagnostische Versorgung ist nur durch die Verfügbarkeit von Laboruntersuchungen mit hoher medizinisch-diagnostischer Qualität möglich. Neue Untersuchungen werden entsprechend dem medizinischen Bedarf entwickelt und in den fachärztlichen Laboren auf den Einsatz in der Patientenversorgung hin geprüft. Aktuelle Entwicklungen finden wir in der Companion Diagnostic, die nun auch im GKV-Arzneimittelversorgungsstärkungsgesetz (AMVSG) verankert wurde. Diese innovativen therapiebegleitenden Laboruntersuchungen helfen wesentlich dabei, auf den Patienten individuell ausgerichtete Therapien anzuwenden.

Die Durchführung der Laboruntersuchungen selbst erfordert qualifizierte und spezifisch ausgebildete Fachkräfte wie MTA-Labor und Wissenschaftler. Fachärzte für Laboratoriumsmedizin und Mikrobiologen sind aufgrund ihrer spezifischen Ausbildung und Erfahrung die richtigen Spezialisten für die Steuerung der Labordiagnostik.

Reformoptionen bei GOÄ und EBM

Die flächendeckende und wohnortnahe labormedizinische Patientenversorgung bedarf auch ausreichender und bedarfsgerechter Rahmenbedingungen. Hierzu gehört zunächst eine dem Versorgungsbedarf entsprechende Zahl an Fachärzten. Die aktuell gültige Bedarfsplanungsrichtlinie trägt den aktuellen Entwicklungen des medizinischen Bedarfs an Laborleistungen nicht ausreichend Rechnung. Die Gebührenordnungen sollten in geeigneter Weise alle Bereiche der Leistungserbringung, einschließlich des erheblichen logistischen Aufwands in schwächer besiedelten Regionen, abbilden und hier ebenso die Möglichkeiten der modernen Kommunikation, die der Gesetzgeber über das E-Health-Gesetz in der Versorgung stärker etabliert haben möchte, berücksichtigen.

In Deutschland werden, bezogen auf die Gesamtausgaben im Gesundheitswesen, für die Versorgung mit Labormedizin nur etwa 2,5 Prozent der Ausgaben verwendet – ein im internationalen Vergleich sehr niedriger Wert, der seit mehr als fünfzehn Jahren auf diesem Niveau liegt. Eine dem medizinisch erforderlichen Leistungsbedarf angemessene Mengensteuerung gelingt in erster Linie über interdisziplinär ausgerichtete gemeinsame Maßnahmen zur Steigerung der Qualität der Indikationsstellung für Laboratoriumsuntersuchungen. Diese gemeinsamen Maßnahmen sollten künftig stärker durch Studien zur Versorgungsforschung begleitet werden.

Im Mittelpunkt ärztlichen Handelns steht der Patient. Wir stehen als Fachärzte im Bereich Labor für eine möglichst individualisierte wie passgenaue und patientenorientierte Versorgung mit Hilfe innovativer Labordiagnostik. Daher setzt sich der Verband der Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM e.V.) als der größte fachärztliche Berufsverband in der Labordiagnostik für eine hohe Qualität der fachärztlichen labordiagnostischen Patientenversorgung ein.

 


 

Dr. Michael Müller, 1. Vorsitzender ALM e. V.

Zum Autor

Dr. Michael Müller ist niedergelassener Facharzt für Laboratoriumsmedizin und Geschäftsführer des MVZ Labor 28. Seit Mai 2016 ist er 1. Vorsitzender des ALM e.V.