Harald Kuhne: Der Rakete Digitalisierung fehlt noch ein wenig die Schubkraft

Der Rakete Digitalisierung fehlt noch ein wenig die Schubkraft

Harald Kuhne, Ministerialdirektor und Leiter der Zentralabteilung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie sprach in seinem Grußwort über die Digitalisierungsstrategie der Bundesregierung und warb für mehr Digitalisierung in der Gesundheitsbranche.

Harald Kuhne, Ministerialdirektor und Leiter der Zentralabteilung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie

„Egal, wie die neue Bundesregierung aussieht, sie wird in Sachen Digitalisierung nahtlos an die alte Bundesregierung anknüpfen!“ Geht es nach Harald Kuhne, dem Gesundheitsexperten im Wirtschaftsressort, muss das enorme Potenzial der Digitalisierung endlich genutzt werden: „Wir haben viel zu lange in der Kostenrhetorik zugebracht. Immerhin werden 12 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in der Gesundheitsbranche erwirtschaftet“, erläutert er. Sie sei ein treibender Motor: Mit 3,8 Prozent jährlich wachse sie schneller als der Rest der Wirtschaft. Eine verstärkte Fokussierung auf Digitalisierung sei gerade in diesem Industriezweig erforderlich. „Die akkreditierten Labore in der Medizin gehen hier mit gutem Beispiel voran“, lobte Ministerialdirektor Harald Kuhne die Veranstalter. „Bei Ihnen passiert schon sehr viel, mit deutlichem Nutzen für alle Beteiligten!“

 

„Wir haben viel zu lange in der Kostenrhetorik zugebracht.
Immerhin werden 12 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in der
Gesundheitsbranche erwirtschaftet.“

 

Die Digitalisierung im Gesundheitswesen müsse vor allem eines nachweisen: einen konkreten Nutzen für die Versicherten und Patienten. „Das ist keine Raketenwissenschaft“, so Kuhne, gleichwohl fehle es in Deutschland immer noch am richtigen Schub: „Schon heute können wir Distanzen durch Telemedizin überwinden, Therapien durch die Nutzung von Gesundheitsdaten individualisieren und Mehrfachuntersuchungen einsparen. Allerdings braucht es nach dem E-Health-Gesetz nun weitere wichtige Schritte.“ 

Ein E-Health-Gesetz II sei „überfällig“. Das Bundeswirtschaftsministerium habe gute Arbeit geleistet: eine Orientierungshilfe für kleinere und mittlere Unternehmen herausgegeben, eine Start-up-Night für Gesundheitsnewcomer organisiert. Es gibt ein Eckpunktepapier Digitalisierung, einen Digitalgipfel, eine Werkstatt zur Digitalisierung. „Jetzt muss die neue Bundesregierung daran anknüpfen!“, so Kuhne.

 

„Die Politik täte gut daran, zeitnah die Rahmenbedingungen
für eine digitale Gesundheitswelt zu definieren!“

 

Fünf künftige Bereiche zur Digitalisierung sieht Kuhne: Erstens die Erarbeitung einer gemeinsamen E-Health-Strategie, dabei soll zweitens die elektronische Patientenakte der Dreh- und Angelpunkt sein. Drittens soll die Datensouveränität beim Patienten liegen. Kuhne: „Wir brauchen einen praktikablen Datenschutz. Warum braucht ein Auto Bremsen? Damit es schneller fahren kann!“ Viertens sollen digitale Anwendungen auch schneller in die Regelversorgung kommen. „Momentan werden digitale Anwendungen wie andere medizintechnische Anwendungen behandelt, wir brauchen hier jedoch mehr Spielraum.“ Fünftens müssten Gesundheitsdaten für die Forschung bereitstehen: „Ich sehe hier großes Potenzial zur Verbesserung der Versorgung.“

Kuhnes Forderung an die neue Regierung: „Die Politik täte gut daran, zeitnah die Rahmenbedingungen für eine digitale Gesundheitswelt zu definieren!“

ALM aktuell 02/2018 in der Druckversion zum Download (800 kB)

 


Harald Kuhne, Ministerialdirektor und Leiter der Zentralabteilung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie

Zur Person

Harald Kuhne ist Ministerialdirektor und Leiter der Zentralabteilung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.