Informationen zur Corona-Warn-App

Jens Spahn, Bundesminister für Gesundheit, im Interview: „Wir müssen es dem Virus schwer machen, sich zu verbreiten!“

 

Jens Spahn, Bundesminister für Gesundheit, im Interview

„Wir müssen es dem Virus schwer machen, sich zu verbreiten!“

Im Interview mit dem ALM e.V. spricht Bundesgesundheitsminister Jens Spahn über die Herausforderungen und Meilensteine der Sars-CoV-2-Pandemie, Teststrategien der nahen Zukunft und die Rolle der Digitalisierung im Gesundheitswesen – nicht nur in Zeiten der Pandemie. 

Jens Spahn, Bundesminister für Gesundheit, im Interview; © BMG/Florian Gaertner (photothek.net)
© BMG/Florian Gaertner (photothek.net)

ALM e.V.: Sie haben viel in dieser Pandemie bewegt – gemeinsam mit Ihrem Team im BMG. Dafür erstmal herzlichen Dank an Ihren schier unermüdlichen Einsatz und die Umsicht, mit der Sie das Gesundheitswesen durch diese herausfordernden Zeiten führen. Was waren aus Ihrer Sicht die Meilensteine? 

BUNDESMINISTER JENS SPAHN: Am Anfang ging es darum, zu verhindern, dass das Virus zu uns kommt. Das ist uns recht lange gelungen – zum Beispiel, indem wir die Rückkehrer aus Wuhan zentral unter Quarantäne gestellt haben. Diese Entscheidung fiel uns nicht leicht, das hat es in der Geschichte der Bundesrepublik ja noch nie gegeben. Aber so haben wir Zeit gewonnen, um im nächsten Schritt das Gesundheitswesen so gut wie möglich auf die Pandemie vorzubereiten: Wir haben die Zahl der Intensivbetten massiv erhöht, planbare Operationen wurden verschoben und wir haben als Bundesministerium – auch das ein Novum in unserer Geschichte – auf dem umkämpften Weltmarkt zentral Schutzausrüstung und Medikamente besorgt. Als das Virus dann da war und sich Kontaktketten nicht mehr nachverfolgen ließen, mussten wir diese Dynamik durchbrechen. Dafür waren sehr harte Maßnahmen notwendig, die stark in die Freiheit des Einzelnen und in unser Leben eingegriffen haben und zum Teil noch immer eingreifen. Aber sie waren notwendig und sie führten zum Erfolg. Darauf können wir als Nation wirklich stolz sein. 

Übermütig darf uns das aber nicht machen. Das Virus ist immer noch da. Wir müssen wachsam bleiben und manche Regeln weiter einhalten: Abstand, Hygieneregeln, Maske tragen und regelmäßiges Lüften von Innenräumen werden uns noch eine Weile begleiten. 

Wie sieht die Teststrategie in der nahen Zukunft aus? 

Wir wollen Ausbrüche im Keim ersticken. Das geht nur, wenn wir jeden testen, der Symptome hat, die auf Sars-CoV-2 hindeuten, und jeden, der Kontakt zu einem Infizierten hatte. Bislang haben die Krankenkassen im Rahmen der Krankenbehandlung nur Tests für Versicherte mit Symptomen übernommen. Jetzt haben wir neu geregelt, dass auch die Laborkosten für Tests übernommen werden, wenn jemand keine Symptome hat. Das können Tests bei Kontaktpersonen von Infizierten sein oder auch Reihentests in Pflegeheimen oder Krankenhäusern. Angeordnet werden solche Untersuchungen vom Öffentlichen Gesundheitsdienst. Und was mir auch wichtig ist: dass jeder auf Kassenkosten getestet wird, der in ein Krankenhaus aufgenommen wird. Wir müssen es dem Virus schwer machen, sich zu verbreiten. 

Die Covid-19-Pandemie hat dem Thema Digitalisierung im Gesundheitswesen – aber auch in anderen Bereichen – einen extremen Schub gegeben. Was dürfen wir hier in Zukunft erwarten? Wird das Gesundheitswesen nun endlich digital? 

Ich bin überzeugt, dass digitale Lösungen die Voraussetzung für ein modernes und patientenfreundliches Gesundheitswesen sind – nicht erst seit der Pandemie. Wir machen im Bundesgesundheitsministerium schon lange kein Gesetz mehr ohne eine Regelung im Bereich Digitalisierung. So haben wir die Weichen für die elektronische Patientenakte, das elektronische Rezept und Apps auf Rezept gestellt. In der Pandemie hat sich einmal mehr gezeigt, wie lohnenswert dieser Einsatz ist. Gerade während der ersten Infektionswelle haben zum Beispiel viele Ärzte und Patienten gemerkt, dass die Videosprechstunde den Praxisalltag sehr gut ergänzen kann. Auch zur Bekämpfung der Pandemie setzen wir auf technische Hilfsmittel – denken Sie an die neue Corona-Warn-App. Sie ist kein Allheilmittel, aber ein wichtiges Werkzeug, um Infektionsketten schnell zu unterbrechen.