Prof. Dr. Jan Kramer: „Routinedaten aus dem Labor sind ein wahrer Schatz!

„Routinedaten aus dem Labor sind ein wahrer Schatz!"

Wie wertvolle Labordaten im Rahmen der Versorgungsforschung für die Verbesserung der Patientenversorgung eingesetzt werden können, darüber referierte Prof. Dr. Jan Kramer, Facharzt für Laboratoriumsmedizin und Innere Medizin, Hämostaseologie und Vorstandsmitglied des ALM e.V.

Prof. Dr. Jan Kramer, Vorstandsmitglied ALM e.V.

„Wir als Mitgliedslabore des ALM e.V. betreuen pro Tag etwa 500.000 Patienten in der Routineversorgung. Wir sind verantwortlich dafür, dass unsere Datenströme vernünftig ausgewertet werden, um die Versorgung im Sinne der Patienten zu optimieren.“ Prof. Dr. Jan Kramer, Vorstandsmitglied des ALM e.V., bricht eine Lanze für die Labormedizin und deren Beitrag zur Versorgungsforschung: „Wir als Laborärzte sind sektorenübergreifend in beiden Bereichen der Versorgungsforschung, der grundlagen- und anwendungsbezogenen Versorgungsforschung, tätig.“ Gerade bei der Beurteilung des Outcomes beim Patienten gebe es eine Lücke: „Da kann es helfen, Routinedaten aus dem Labor mit in die Forschung einzubringen.“

 

„Wir sind verantwortlich dafür, dass unsere Datenströme vernünftig ausgewertet werden, um die Versorgung im Sinne der Patienten zu optimieren.“

 

Laborwerte seien direkte Primärdaten. Dem Datenschutz der Patienten müsse deshalb ein hoher Wert beigemessen werden, fordert Prof. Dr. Kramer. Moderne Labormedizin optimiere den Behandlungsprozess: „Zunehmend ist die Labormedizin auch Teil von Leitlinien. Schließlich werden siebzig Prozent der Diagnosen mithilfe der Labordiagnostik gestellt.“

Kramer nennt Beispiele für nutzbringende Auswertungen von Labordaten: Der Verdacht einer akuten Hepatitis A-Epidemie in einer Flüchtlingsstation in Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise konnte mithilfe von Labordaten binnen weniger Stunden ausgeschlossen werden. Eine weitere Studie, die Prof. Dr. Kramer vorstellt, untersucht den Vitamin-D-Mangel: Der sei über jedes Alter nachgewiesen. Eine Testung sei aber nur in Risikosituationen wirklich sinnvoll, Suplementation sollte jedoch immer durchgeführt werden. Ein anderes Beispiel von Datenauswertungen zur Anämie in der Schwangerschaft zeige, dass auf Basis der Ergebnisse eigentlich die Mutterschaftsrichtlinie erweitert werden müsste.

Sein Fazit: Die Auswertung von Daten aus dem Labor kann helfen, die Versorgung zu verbessern. Deshalb hat der ALM e.V. eine Arbeitsgemeinschaft Versorgungsforschung ins Leben gerufen. Gemeinsam mit dem IGES, dem Institut für Gesundheits- und Sozialforschung, sollen jetzt erste Daten ausgewertet werden. Darüber hinaus soll überlegt werden, wo und wie mithilfe von Daten aus dem Labor die Versorgungsforschung verbessert werden kann. Gerne, so Prof. Dr. Kramer, seien weitere Teilnehmer eingeladen, an dieser AG mitzuwirken.

ALM aktuell 02/2018 in der Druckversion zum Download (800 kB)

 


Prof. Dr. Jan Kramer, Vorstandsmitglied ALM e. V.

Zur Person:

Prof. Dr. Jan Kramer ist Facharzt für Laboratoriumsmedizin und für Innere Medizin, Hämostaseologie. Er ist Vorstandsmitglied des ALM e.V. und Ärztlicher Leiter und Geschäftsführer des LADR Laborverbundes Dr. Kramer & Kollegen.