Versorgungsforschungsprojekte unserer Mitgliedslabore

Diagnostik der Anämie und des Eisenmangels in der Schwangerschaft

Eine Analyse auf der Basis von Labordaten
Der Frauenarzt, Dezember 2016, Seite 1146 – 1155
Wolf Kirschner, Hans-Ulrich Altenkirch, Joachim W. Dudenhausen, R. Neuber, Michael Müller, Lothar Röcker, A. Kunz

Eisenmangel und Eisenmangelanämie in der Schwangerschaft sind häufig und relevant, da sie mit negativen Folgen für Mutter und Kind assoziiert sind. In den Mutterschaftsrichtlinien ist eine Bestimmung des Hb-Wertes vorgesehen, ansonsten existieren keine einheitlichen Empfehlungen zum Screening und zum strukturierten Vorgehen bei Eisenmangel. Nur die schwerste Form des Eisenmangels, die Anämie, lässt sich am Hb erkennen, während bei Speichereisenmangel und eisendefizienter Erythropoese der Hb noch unauffällig, aber das Ferritin bereits vermindert ist. Welche eisendiagnostischen Laborparameter niedergelassene Frauenärzte wie häufig anfordern, war bisher unbekannt. Die vorliegende Arbeit analysierte daher Labordaten eines Berliner Labors und Surveydaten eines Interventionsprogramms zur Senkung der Frühgeburtlichkeit.


 

Epidemiologische Untersuchung zur Häufigkeit eines Vitamin-D-Mangels in Norddeutschland

Kramer J, Diehl A, Lehnert H.
Dtsch Med Wochenschr. 2014 Mar;139(10):470-5.

Hintergrund und Fragestellung: Die für eine ausreichende Vitamin-D-Produktion empfohlene Sonnenlichtexposition von 30 Minuten pro Tag wird kaum erreicht. Begründet ist dies vor allem in den Witterungsbedingungen sowie heutigen Lebens- und Arbeitsgewohnheiten. Das Ziel unserer Studie war, das Ausmaß eines Vitamin- D-Mangels in Norddeutschland zu untersuchen.

Methodik: Hierzu wurden retrospektiv die 25-Hydroxy-Vitamin-D-Spiegel von über 99 000 Menschen aus Norddeutschland der Jahre 2008–2011 nach Alter, Geschlecht und Jahreszeit ausgewertet. Eine Einteilung des 25-Vitamin-D-Status erfolgte in suffiziente (> 75 nmol/l) und insuffiziente (50 – 75 nmol/l) Versorgung sowie Vitamin-D-Mangel (< 50 – 27,5 nmol/l) und schweren Vitamin-D-Mangel (< 27,5 nmol/l).

Ergebnisse: Eine Vitamin-D-Unterversorgung konnte in allen Altersgruppen sowohl bei Frauen als auch Männern in Norddeutschland nachgewiesen werden. In den sonnenarmen Monaten war der Vitamin-D-Mangel besonders ausgeprägt. So zeigten in den Monaten Januar bis April mehr als 30 % der untersuchten Personen einen schweren Vitamin-D-Mangel. Die Untersuchung ergab zudem, dass nahezu gleichverteilt über die einzelnen Monate des gesamten Jahres 25-Vitamin- D-Bestimmungen durchgeführt wurden. Insgesamt wurde häufiger bei Älteren als bei Jüngeren diese Untersuchung angefordert. Allerdings konnte gerade auch für das Jugend- und junge Erwachsenenalter ein schwerer Vitamin-D-Mangel bei ca. 25 % der untersuchten Personen detektiert werden.

Folgerungen: Aus den dargestellten Ergebnissen kann die Empfehlung abgeleitet werden, einmal pro Jahr 25-Vitamin-D-Spiegel in den Monaten Januar bis April zu bestimmen, um rechtzeitig einen schweren Mangel zu erkennen und präventiv-therapeutisch eingreifen zu können.


 

Prevalence of elevated ALT values, HBsAg, and anti-HCV in the primary care setting and evaluation of guideline defined hepatitis risk scenarios.

J Hepatol. 2015 Jun;62(6):1256-64. doi: 10.1016/j.jhep.2015.01.011. Epub 2015 Jan 21
Wolffram I1, Petroff D2, Bätz O3, Jedrysiak K3, Kramer J3, Tenckhoff H4, Berg T4, Wiegand J5; German Check-Up 35+ Study Group

BACKGROUND & AIMS:

Prevalence data for hepatitis B and C and an evaluation of a guideline based screening in the primary care setting are not yet available. We therefore implemented a hepatitis B surface antigen (HBsAg) and anti-hepatitis C virus (HCV) screening and developed guideline based screening strategies.

METHODS:

HBsAg, anti-HCV, and alanine aminotransferase (ALT) were included in a routine check-up together with a questionnaire covering 16 guideline adapted risk scenarios. Significant risk factors were identified by stepwise logistic regression.

RESULTS:

51 private practices screened 21,008 patients. The HBsAg, anti-HCV, and HCV-RNA prevalence was 0.52%, 0.95%, and 0.43%, respectively. Infections were previously unknown in 85% and 65% of HBsAg and anti-HCV positive individuals, respectively. Sexual risk factors were under-reported, while the following scenarios were significantly associated with viral infections (Odds ratio [95% confidence interval]). HBV: Immigration (4.4 [2.9, 6.7]), infection in household (2.5 [1.2, 4.5]), male gender (1.6 [1.1, 2.4]). Male immigrants had a 2.1% HBsAg prevalence and 80% were unaware of the infection. HCV: IV drug use (384 [233, 644]), blood transfusion before 1992 (5.3 [3.5, 7.9]), immigration (2.4 [1.5, 3.6]). Presence of either one of the HBV related guideline defined risk scenarios or elevated ALT identified 82% of previously undiagnosed patients. Presence of one of the three significant HCV risk factors or elevated ALT levels diagnosed 83% of unknown HCV-RNA positive cases by screening only 26% of the population.

CONCLUSIONS:

Undiagnosed hepatitis B and C infections frequently exist in the primary care setting. Easy to apply guideline defined risk scenarios help to diagnose previously unknown infections.